Geschichte 2017-03-27T22:31:31+00:00

Geschichte

Auf dem Bild rechts sehen Sie Luggi Graf, die erste Fluhwirtin. Die Ursprünge der Wirtschaft reichen in das Jahr 1934 zurück.
Auf dem anderen Foto sind Margrit und Karl Hodel zu sehen, Wirtsleute aus dem Jahre 1967.

Verschiedene spannende Geschichten um die Sissacherfluh – z.B. der Fluhkrimi – sowie die Anfänge des Restaurants können Sie bei uns nachlesen.

Material über die Ausgrabungen der Wehranlage sowie Profile der umliegenden Hügel/Berge sind sehr interessant.

Freundlicherweise hat uns ein Gast, Herr Hans Buser seine Unterlagen zur Verfügung gestellt. Ausserdem finden Sie Wanderführer- und Karten von Tourismus Baselland zum mitnehmen.

Bitte fragen Sie unser Personal.

Homage

Die Sissacher Fluh – eine Liebesgeschichte
Über den «Hausberg» der Baselbieter und Baselstädter

Von Basel über Olten nach irgendwo in der Schweiz. Fortwährend fahre ich im Schnellzug auf dieser Strecke. Meist mit einer Zeitung vor der Nase. Oft in eine Diskussion vertieft. Ab und zu von Akten bedrängt. Aber immer lässt nach Liestal meine Konzentration nach. Für fünf kurze Minuten verflacht das Gespräch, erscheint das Blatt uninteressant, verlieren die Sitzungsunterlagen an Dringlichkeit. Mein Blick gleitet hinaus in die Landschaft. Und wenn er droben, links am Hang, auf den Felsen trifft – einmal von Nebel umsponnen, einmal im Morgenlicht gleissend, einmal durch Föhn nahe gerückt -, ist es wie versicherndes Grüssen. Hernach kann anderes wieder wichtig werden und kehre ich zu Zeitung, Gespräch oder Akten zurück.

Es ist die Sissacher Fluh, die diesen Magnetismus ausübt. Zwar müsste mir, als Baselstädterin, der ebenfalls schroffe Absturz des Gempenstollens, der als Silhouette vom Cityrand her jederzeit zu sehen ist, eigentlich vertrauter sein. Aber seit meiner Jugend fühle ich mich jenem Berg verbunden, den das Obere Baselbiet zu seinem Mittelpunkt und zu seinem Wahrzeichen ausersehen hat. Das hängt vorab mit meinen Erinnerungen zusammen. Doch auch mit der Faszination seiner Geschichte. Und mit der Wucht seiner machtvollen Erscheinung. Selbst der fremde Autotourist, von Italien nach Deutschland unterwegs und direkt vis-à-vis der markanten Steilwand aus den Strassentunneln auftauchend, wird sich dem starken Eindruck nicht entziehen können. *

In keinem Exkursionsführer und auf keiner Routenkarte fehlt diese Sissacher Fluh. Ist sie doch Zentrum eines riesigen Wegnetzes. Ob von Liestal, Rheinfelden oder Gelterkinden anvisiert, ob als Ausgangspunkt, Durchgangsstation oder Ziel gewählt, ob zu Fuss, im Privatauto oder per Bus angepeilt, ob auf einem kleinen Spaziergang, einer geruhsamen Wanderung oder einem langen Marsch erreicht: Immer wird sie zur lohnenden Raststätte. Nicht bloss die Sicht – senkrecht hinunter ins Ergolztal und weit hinaus über die ganze Nordwestschweiz – übt Anziehung aus. Ebenso stark wirken Kräfte aus der Vergangenheit. Geschickt rekonstruierte Brandmale weisen auf Bewohner aus der Bronzezeit hin. Zwei Meter breite Mauern sprechen von einer ehemaligen Fluchtburg im sechsten Jahrhundert. Und bei der Fluhkante stehen Reste einer Hütte, einer sogenannten Hochwacht, die mit Rauch- und Feuerzeichen im siebzehnten Jahrhundert zum eidgenössischen Warn- und Meldesystem gehörte.

Familien setzen sich hier auf die Steine, und Eltern erzählen, was im Heimatgebiet einst geschah. Mit einem kindlichen Schaudern habe ich an dieser Stelle gehört, dass das Plateau früher von wilden Jägern und halb verhungerten Sammlern bewohnt war. Der Drang, sich für Geschichte zu interessieren und in Vorzeitiges einzudringen, wurde damals im Keim angelegt, blieb erhalten und war für immer mit diesem Terrain verknüpft. So wie mit demselben Terrain für mich auch die Erzählung von den Raben verknüpft ist, die früher winterabends schwarmweise in den violetten Himmel über dem Spitzenberg, direkt der Fluh gegenüber, hineingeflogen sein sollen. Und beim Tannenwald verschwanden: dort, wo sich die unheimliche Schlucht des Wolfsgrabens befindet. *

Die Möglichkeiten, die sich dem Wanderer in dieser Gegend anbieten, sind reich. Eine der bekanntesten Tagestouren – in rund sieben Stunden von Bahnstation zu Bahnstation – führt von Liestal auf den Aussichtsturm und via Stächpalmenhegli und Grimstelucke auf die Fluh. Dann geht es über die Waldegg zur Ruine Farnsburg. Endpunkt ist Gelterkinden. Das Abenteuerliche dieses den grossen Waldbestand nutzenden und also für Sommer oder Hebst besonders geeigneten Ausflugs ist der sogenannte Hüenersädel. Kein Basler Schulkind, das den ungewöhnlich stotzigen, über Naturtreppen niederfallenden, aber durch Holzbalken gesicherten Abstieg nicht schon einmal bewältigt hätte und für die Mutprobe mit einem Muskelkater belohnt worden wäre.

Von anderer Art und für einen geruhsamen Halbtagesspaziergang geeignet ist eine friedlichere Variante: per Bus von Sissach in die Gegend der Wintersinger Höhe und auf einem schmalen Pfad in einer knappen Stunde ohne Bewältigung von Höhenunterschied mühelos zur Ruine Bischofstein. Tritt man dort aus dem Wald, ist der Blick hin zum gegenüberliegenden Fluh-Felsen überwältigend. Ebenso überwältigend wie der Blick gegen Westen. Wo jenseits des Tales ähnlich Exponiertes im Dunst aufragt: Auch die Schauenburger Fluh zeigt einen scharfkantigen Sturz in den Abgrund und mahnt alle, die schon einmal im französischen Maçonnais waren, an jene imposanten Gesteinsklippen. Als minimierte Verwandte des Solutré empfinde ich die seltsamen Formationen des Baselbiets mit eigentümlicher Rührung und in Erinnerung an die fernen Giganten. Unterwegs – im weitesten Sinne des Wortes: So habe ich mich bei ihnen einst gefühlt. *

Jeden Städter packt bisweilen das Fernweh. Dann muss er hinaus. Und sei es nur für ein paar Stunden. Die Sissacher Fluh ist dafür die richtige Anlaufstation. Am Morgen dorthin zu fahren, mit der richtigen Wetterlage beschenkt zu werden und von den Berner Alpen bis zu den Vogesen ein atemraubendes Panorama vor sich aufgefächert zu sehen: Das macht andächtig stumm. Stören lässt man sich da klaglos nur von Ismael aus Bangladesh, der seit fünf Jahren in unserem Land lebt. Er kommt daher mit blitzend weissen Zähnen, brauner Haut, blauschwarzem Haar und trägt in seinen Armen die Schweizer Fahne wie ein Baby: vier auf vier Meter Tuch, das er sorgsam am Mast aufzieht und zu dem er wortlos aufblickt, bis es vom Wind erfasst wird. Dann erst ist er zu einem Geplauder in einem amüsanten Gemisch aus Dialekt und Hochdeutsch bereit. Längst kennt er alle Gipfel vom Wetterhorn bis zum Ballon d’Alsace mit Namen, und er weiss auch, dass die Ruine Bischofstein beim grossen Erdbeben von Basel zerstört wurde. Nichts weiss er allerdings – denn er war noch nie drüben – von der senkrechten Eisenleiter auf den Söller, die nur für Tollkühne gedacht ist. Und nichts weiss er von der fast zu tadellosen Renovation. Wie überall im Baselbiet wurde auch diese Burg so übereifrig aufgemauert, dass sich Uhlands Ballade fernab hält. Da gibt es auch nicht den kleinsten Hinweis auf einen Fluch oder auf geborstene Säulen. Dafür aber kann man über die vergangenen Jahrhunderte, im Einzelnen und zahlenreich belegt, eine Menge erfahren. *

Der Wind, der die Fahne bläht, facht auch die Glut wieder an, welche in den vielen Feuerstellen vom Vortag her noch schwelt. Und ein schwacher Rauchgeruch überzieht das Plateau. Im Sommer vermischt er sich mit dem Aroma gerösteter Cervelats, im Herbst mit jenem leicht angekohlter Kartoffeln. Wer zu bequem ist, um bei den Grillstellen zu hantieren, geht in die hübsche Bergwirtschaft und schlürft dort den Wein der Gegend: den weissen Riesling×Sylvaner oder den roten Blauburgunder. Beide wachsen am Hang, direkt unterhalb des Felsens.
In seiner Nähe liegt auch eine Art von Naturarena: ein kleines Grasrund, auf drei Seiten umstellt von leicht ansteigender Wiese. Dorthin pilgerten in einem Sternmarsch die Klassen meines Gymnasiums im Jahr 1949: Ich war gerade zwölf, als man gemeinsam Goethes zweihundertsten Geburtstag feierte. Mehr als die Rede des Rektors beeindruckte mich eine Aufführung der Maturanden: Sie spielten einen Akt aus dem «Götz von Berlichingen». Dessen «Drang nach Daseinserweiterung bis hin zum Unmass» fand ich damals – und finde ich bis heute – widergespiegelt in den schroffen Felsen der Fluh.

Daisy Reck

Quelle: http://www.nzz.ch/aktuell/startseite/article86BQW-1.399150

ACHTUNG - NICHTS VERPASSEN
MELDEN SIE SICH JETZT AN FÜR UNSEREN NEWSLETTER
Profitieren Sie von tollen Aktionen, News, Events und vielen mehr... die Sissacherfluh ist immer für eine Überraschung gut. Wir freuen uns...
Senden
Der Newsletter ist unverbindlich und kann jederzeit storniert werden




.



 

DJ mieten

Facebook